{"id":114,"date":"2019-04-22T06:20:32","date_gmt":"2019-04-22T06:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/tiertcmaktuell.de\/?p=114"},"modified":"2019-04-22T06:20:32","modified_gmt":"2019-04-22T06:20:32","slug":"kastration-von-ferkeln-ohne-betaeubungs-und-schmerzmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tiertcmaktuell.de\/?p=114","title":{"rendered":"Kastration von Ferkeln ohne Bet\u00e4ubungs-und Schmerzmittel"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Die Gr\u00f6\u00dfe und den moralischen Fortschritt <\/strong> <br><strong>einer Nation kann man daran messen,<br> wie sie ihre Tiere behandeln. <br> (Mahadma Gandhi)<\/strong> <strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ferkel werden so kastriert: Das Tier wird\nin ein Gestell gespannt oder an den Hinterl\u00e4ufen gepackt. Dann setzt man an den\nGenitalien an, quetscht mit einer Zange den Samenstrang ab und schneidet mit\ndem Skalpell die Hoden heraus. Das junge Tier wird in der Regel nicht bet\u00e4ubt.\nEs erlebt die Tortur bei vollem Bewusstsein. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Etwa 20 Millionen m\u00e4nnliche Ferkel werden in Deutschland pro Jahr so behandelt. Durch die Prozedur werden ein paar Euro gespart. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tierschutzgesetz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vierter Abschnitt Eingriffe an Tieren<\/strong>\u00a7 5 <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) An einem\nWirbeltier darf ohne Bet\u00e4ubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht\nvorgenommen werden. Die Bet\u00e4ubung warmbl\u00fctiger Wirbeltiere sowie von Amphibien\nund Reptilien ist von einem Tierarzt vorzunehmen.<\/strong> &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) Eine Bet\u00e4ubung\nist nicht erforderlich,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. wenn bei vergleichbaren Eingriffen am Menschen eine Bet\u00e4ubung in der\nRegel unterbleibt<\/strong> oder der mit dem Eingriff verbundene Schmerz\ngeringf\u00fcgiger ist als die mit einer Bet\u00e4ubung verbundene Beeintr\u00e4chtigung des\nBefindens des Tieres,<\/p>\n\n\n\n<p>2. wenn die Bet\u00e4ubung im\nEinzelfall nach tier\u00e4rztlichem Urteil nicht durchf\u00fchrbar erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Eine Bet\u00e4ubung ist ferner nicht erforderlich<\/p>\n\n\n\n<p>1. f\u00fcr das Kastrieren von unter\nvier Wochen alten m\u00e4nnlichen Rindern, Schafen und Ziegen, sofern kein von der\nnormalen anatomischen Beschaffenheit abweichender Befund vorliegt,&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 6 <\/p>\n\n\n\n<p>(1) Verboten ist das vollst\u00e4ndige oder teilweise Amputieren\nvon K\u00f6rperteilen oder das vollst\u00e4ndige oder teilweise Entnehmen oder Zerst\u00f6ren\nvon Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. <strong>Das Verbot gilt nicht, wenn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2a. unter acht Tage\nalte m\u00e4nnliche Schweine kastriert werden,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eingriffe nach<\/p>\n\n\n\n<p>Nummer 2a, die nicht durch einen Tierarzt vorzunehmen sind,\nsowie<\/p>\n\n\n\n<p>3. Absatz 3 d\u00fcrfen auch durch eine andere Person vorgenommen\nwerden, die die dazu notwendigen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten hat<strong>. Im Anschluss an die Kastration eines \u00fcber\nsieben Tage alten Schweines sind schmerzstillende Arzneimittel einschlie\u00dflich\nBet\u00e4ubungsmittel bei dem Tier anzuwenden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit das Tierschutzgesetz. <\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet, dass einem Ferkel bis zum 7. Lebenstag\njegliche Schmerzempfindung abgesprochen wird. Ab dem 8. Lebenstag hat es im\nSinne des Tierschutzgesetzes dann ein Schmerzempfinden und ein Recht auf\nSchmerz- und Bet\u00e4ubungsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber macht Ferkel, Rinder, Schafe und Ziegen so\nbesonders? Denn andere Tiere wie Pferde, Hunde und Katzen d\u00fcrfen nicht ohne\nGrund und schon gar nicht ohne Bet\u00e4ubung kastriert werden. Na haben Sie es\ngemerkt? Die letztgenannten stehen nicht auf unserer Speisekarte oder im Falle\nvon Fohlen nur selten. Das bedeutet, dass es Marktwirtschaftlich irrelevant\nist, da die Kastration dann von Privatleuten bezahlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum werden die Ferkel Kastriert? M\u00e4nnliche Schweine\nentwickeln einen hormonell bedingten Eigengeruch, der in der Pfanne nicht\nerw\u00fcnscht ist. Das ist in Deutschland und einigen anderen EU-L\u00e4ndern der Fall.\nNicht so in Spanien. Dort werden nur die 20% f\u00fcr den Export bestimmten\nm\u00e4nnlichen Schweine kastriert. <\/p>\n\n\n\n<p>Laut der &#8222;European declaration on piglet\ncastration&#8220; soll die Ferkelkastration seit dem 1. Januar 2012 nur noch mit\nanhaltender Analgesie und An\u00e4sthesie durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und im Jahr 2013 entschied der deutsche Bundestag das\numzusetzen. Aber nat\u00fcrlich nicht sofort, f\u00fcnf weitere Jahre \u00dcbergangsfrist\nwurden der Branche zugestanden. Nun sind diese f\u00fcnf Jahre um und was macht die\nRegierung? Sie verl\u00e4ngert die Frist um mindestens weitere zwei Jahre, denn wie\nsoll sich die Branche in nur 60 Monaten umstellen?<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu schrieb Petra Pinzler in der &#8222;Zeit&#8220; am 25.\nApril 2018:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8230;.Christina Schulze\nF\u00f6cking (CDU), die Landwirtschaftsministerin der schwarz-gelben Landesregierung\nvon Nordrhein-Westfalen. Sie hat f\u00fcr die Agrarministerkonferenz dieser Woche\neinen vertraulichen &#8222;Beschlussvorschlag&#8220; schreiben lassen, der der\nZEIT vorliegt. Darin hei\u00dft es: F\u00fcr einen Ausstieg aus der &#8222;bet\u00e4ubungslosen\nKastration von Eberferkeln zum 1. Januar 2019&#8220; st\u00fcnden &#8222;keine\npraktikablen Alternativen f\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Anwendung zur\nVerf\u00fcgung&#8220;. Deswegen solle die Sache verschoben werden, &#8222;bis die\nentsprechenden Ergebnisse vorliegen&#8220;. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>So ein\nBeschlussvorschlag k\u00f6nnte ein Fall von landesministerieller Anf\u00e4ngerignoranz\nsein, Schulze F\u00f6cking ist erst ein Jahr im Amt. Da kann man noch nicht alles\nwissen. Doch seit f\u00fcnf Jahren, also seit das Gesetz beschlossen wurde, sind\nUntersuchungen erschienen, die zumindest ihre Mitarbeiter kennen m\u00fcssten.\nBeispielsweise jenes Papier des Bundeslandwirtschaftsministeriums, jenes\nHauses, das nicht gerade als geborener Gegner der billigen Massentierhaltung\nbekannt ist. Das schrieb im Dezember 2016 den &#8222;Bericht der Bundesregierung\n\u00fcber den Stand der Entwicklung alternativer Verfahren und Methoden zur bet\u00e4ubungslosen\nFerkelkastration&#8220;. In dem steht, was es an Alternativen gibt: Die Ferkel\nk\u00f6nnen vor der Prozedur bet\u00e4ubt werden. Das Wachstum ihrer Hoden kann durch\nHormone unterdr\u00fcckt werden. Oder sie wachsen einfach als Eber auf. &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten zwei Jahren werden weitere 40 Millionen Ferkel\nalleine in Deutschland Schmerzen erleiden m\u00fcssen, damit genug Wurst und\nSchnitzel auf den Tisch kommen und das nat\u00fcrlich zu Dumpingpreisen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was kostet denn eigentlich die Kastration mit Schmerz und\nBet\u00e4ubungsmittel? <\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich der Verfahren ist die Injektionsnarkose am\ng\u00fcnstigsten einzusetzen. Neben den reinen Materialkosten schlagen die Kosten\nf\u00fcr die tier\u00e4rztliche Leistung und bei der Inhalationsnarkose die Anschaffung\nund Wartung des Narkoseger\u00e4tes zu Buche. Der Preis pro Ferkel variiert je nach\nZahl der zu kastrieren den Ferkel und dem Zeitbedarf f\u00fcr die Arbeitsabl\u00e4ufe\nzwischen <\/p>\n\n\n\n<p>Injektionsnarkose 3-4 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>Inhalationsnarkose 4-5 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlachtgewicht liegt bei ca 110-120 kg nach einer Mast\nvon 6 Monaten. Der Schlachterl\u00f6s eines kastrierten Schweines liegt bei 185\u20ac. Ja\ndas ist zu verstehen, dass zus\u00e4tzliche Kosten von 3-5 Euro pro Tier den\nMastbetrieben nicht zuzumuten sind. Auch dem Schweinefleischesser sind\nMehrkosten von 3-5 Cent pro Kilo verspeistes Ferkel ganz sicher nicht\nzuzumuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt noch andere M\u00f6glichkeiten den Ebergeruch zu verhindern?\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Immunokastration<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz vermieden wird die Kastration beim Einsatz des\nImpfstoffes \u201eImprovac\u00ae\u201c der Firma Pfizer, der im Tier Antik\u00f6rper erzeugt, die\ndie Produktion von Geschlechtshormonen unterdr\u00fccken. Die Immunokastration muss im\nVorfeld sorgf\u00e4ltig mit dem Schlachthof abgesprochen werden, damit die\nm\u00e4nnlichen Tiere mit Hoden nicht versehentlich als Eberfleisch gema\u00dfregelt\nwerden. <\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet am Tag der Abstimmung im Bundesrat hat das\nstaatliche Friedrich-Loeffler-Institut f\u00fcr Tiergesundheit (FLI) eine\nStellungnahme zu den Alternativen zur bet\u00e4ubungslosen Ferkelkastration\nvorgelegt. Es formuliert darin seine Empfehlung sehr eindeutig. \u201eIn Abw\u00e4gung\nder Belastungen f\u00fcr die Tiere ist aus tierschutzfachlicher Sicht die Impfung\ngegen Ebergeruch die mit Abstand geeignetste Alternative zur bet\u00e4ubungslosen\nFerkelkastration\u201c, schreibt das FLI darin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geimpften Tiere w\u00fcrden ruhiger, weniger aggressiv,\nzeigten weniger Aufreiten und ihre Hoden w\u00fcrden kleiner. Tiere, die bei der\nImpfung \u201edurchgerutscht\u201c sind, k\u00f6nnen anhand dieser Verhaltensmerkmale erkannt\nund nachgeimpft werden. Nach Erfahrungen aus der Praxis betreffe dies lediglich\n0,5-2 % der Tiere. \u201eWerden diese Tiere nachgeimpft, ist die Geruchsvermeidung\ndurch die Impfung genauso wirksam wie bei chirurgischer Kastration\u201c, so die\nWissenschaftler in ihrer Stellungnahme weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ufigste Argument gegen die Impfung, die Bef\u00fcrchtung,\ndass Verbraucher Fleisch von geimpften Tieren ablehnen, wischen die Forscher\nziemlich deutlich vom Tisch. \u201eDass m\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Ablehnung\nwissenschaftlich nicht haltbar sind, liegt auf der Hand: Im Hinblick auf die\nLebensmittelsicherheit ist der Impfstoff unbedenklich, da er nur nach Injektion\nwirksam wird und bei oraler Aufnahme im Verdauungstrakt vollst\u00e4ndig abgebaut\nwird\u201c, schreiben sie. Daher bestehe auch keine Wartezeit. Beim Fleisch\ngeimpfter Tiere handele es sich auch nicht um \u201eHormonfleisch\u201c, so die\nWissenschaftler weiter. \u201eZwar wird mit der Impfung in den Hormonhaushalt der\nTiere eingegriffen, allerdings passiert dies bei jeglicher Form der\nKastration\u201c, schreiben sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Kosten: Improvac ca. 4 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit Leiden zu verhindern\nwird in Skandinavien praktiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion steht\ndie Kastration mit Lokalan\u00e4sthesie, der so genannte &#8222;skandinavische oder\nvierte Weg&#8220;. Dort f\u00fchren die Ferkelerzeuger die Kastration unter lokaler\nBet\u00e4ubung selber durch. M\u00f6glich sind verschiedene Varianten der Lokalan\u00e4sthesie:\nDas Bet\u00e4ubungsmittel wird entweder direkt in die Hoden gespritzt oder aber in\nden Hodensack und in die Leiste neben die Samenstr\u00e4nge. <\/p>\n\n\n\n<p>Kritiker sagen, dass\ndieses Vorgehen f\u00fcr die Ferkel sehr schmerzhaft ist und die richtige Dosierung\nsowie das korrekte Treffen der Injektionsstelle h\u00e4ufig Probleme bereiten. Schulungen\nsind also so oder so von N\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach \u00fcbrigens, kennen\nSie schon die Informationen der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung\n(BLE)?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BZL-Brosch\u00fcre: So leben Schweine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dort hei\u00dft es: &#8222;Wussten Sie, dass Schweine zu den\nkl\u00fcgsten S\u00e4ugetieren geh\u00f6ren? Sie haben einen ausgepr\u00e4gten Spiel- und\nErkundungstrieb und sind sehr saubere Tiere.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Intelligent? Ja &#8211; Schmerzempfinden? Nein<\/p>\n\n\n\n<p>Susanne Kirsten, Tierheilpraktikerin<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.zeit.de\/2018\/18\/fleischwirtschaft-ferkel-kastration-betaeubung-tierschutz-nrw\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.bioland.de\/fileadmin\/dateien\/HP_Dokumente\/Allgemeine_Informationen\/MBFerkelKastration.pdf\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.praxis-agrar.de\/tier\/schweine\/ferkelkastration-ist-der-vierte-weg-eine-alternative\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.topagrar.com\/schwein\/news\/staatliche-forscher-empfehlen-immunokastration-9833233.html\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00f6\u00dfe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln. 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